Philosophie

Jeder kann ein Künstler sein.

In unseren ersten Lebensjahren können wir die uns umgebenden Objekte noch völlig wertfrei und ohne Interpretationen betrachten. Zu diesem Zeitpunkt sehen wir die Dinge tatsächlich noch so, wie sie sind. Jeder Umriss, jede Wölbung findet unsere Aufmerksamkeit.
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Wir bringen den betrachteten Objekten eine sehr hohe Wertschätzung entgegen. Aber das ändert sich im Verlauf der Jahre. Unser Verstand fängt an, sich die „Arbeit“ des Sehens zu erleichtern. Die betrachtete Umwelt wird im Schnellverfahren bewertet, mit Vorstellungen verbunden und Interpretationen versehen. Wir fangen an zu sehen, ohne wirklich zu sehen. Im eigentlichen Sinne des Wortes hören wir auf WAHRzunehmen. Der Zauber eines jeden Gegenstandes, einer jeden Form geht uns damit verloren.

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In meinen Zeichenkursen führen die Schülerinnen und Schüler Übungen durch und lernen Techniken kennen, die sie Schritt für Schritt zu ihrer Gabe zurückzuführen. Sie lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind. Und plötzlich stellen sie fest, dass sich auch ihre Art des Zeichnens verändert …

„Ob im künstlerischen Schaffen, bei Sport oder Tanz, im Unterricht und Therapie – auf jedem Betätigungsfeld wird erst dann Meisterschaft erreicht, wenn der Verstand nicht mehr eingreift oder zumindest nur eine untergeordnete Rolle spielt. Eine Kraft und Intelligenz, die größer ist als ich und du und die doch im Wesen eins mit dir ist, übernimmt das Ruder. Es gibt keinen Entscheidungsprozess mehr; spontanes rechtes Handeln setzt ein, und nicht „du“ bist es, der aktiv wird. Das Leben zu meistern, ist das Gegenteil von Kontrolle ausüben.“
(Eckart Tolle)